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Aus unserem Postkasten

"Aber es muss doch gesetzestreue Beamte geben, die in so einem Fall den Mut haben andere Polizisten davon abzuhalten Menschen zu verletzen."

Uns erreichte folgendes Schreiben, das wir hier im Original wiedergeben:

"Sehr geehrte Damen und Herren vom Kundgebungsbündnis,

mein Name ist XXX (bitte: sollten Sie meinen Bericht veröffentlichen möchte ich, daß mein Name nicht genannt wird aus beruflichen Gründen).

Ich habe am 29. an Ihrer Demonstration am Holstentor teilgenommen weil meine Familie selber unter dem englischen Angriff 1942 gelitten hat (Haus verloren) und ich nicht will, daß die Rechten diesen schrecklichen Tag für ihre Zwecke missbrauchen können.

Ich bin nicht „rechts" und nicht „links" sondern einfach Demokrat und Bürger eines Landes vom dem ich bisher annahm, daß es hier nach Recht und Gesetz geht und daß wir in einer Demokratie leben.

Deshalb habe ich auch nicht versucht die Nazis in St. Lorenz zu stören. Ich war die ganze Zeit am Holstentor und was ich dort gesehen habe erschüttert mich zu Tiefst.

Dabei muß ich sagen, daß ich den jungen Leuten aus dem schwarzen Block sehr mißtraut habe und mir nicht sicher war ob es richtig ist mit diesen Menschen gemeinsam gegen die Rechten zu protestieren. Man liest und hört ja so einiges über den schwarzen Block. Aber ich wußte nicht, daß der „schwarze Block der Polizei" ja viel viel schlimmer ist!

Ich war am Rand der Kreuzung zur Possehlstraße als viele junge Leute aus der Possehlstraße angelaufen kamen. Sie wurden von der Polizei verfolgt. Zuerst dachte ich, daß die Polizei Leute verhaften will, die maskiert waren (einige waren das). Aber die Polizei hat erst einmal nur auf Leute eingeschlagen. Mit Gummiknüppeln aber auch einfach mit der Faust. Und es spielte keine Rolle ob diese Leute maskiert waren oder nicht.

Ich wurde Zeuge wie die Polizei auf Leute geprügelt hat, die mit erhobenen Händen vor ihnen standen und nicht gewalttätig waren, in keiner Weise. Ich hatte in dieser Lage selber Angst vor der Polizei und habe versucht mich zu entfernen. Aber da waren auch Polizisten auf der anderen Seite (in Richtung Innenstadt) und auch diese waren insgesamt sehr sehr aggressiv.

Ich habe dann gesehen wie ein junger Mann von mehreren Polizisten (es waren 4 oder 5) überwältigt wurde. Dieser junge Mann (er war noch ein halbes Kind) konnte sich nicht mehr bewegen und trotzdem haben Polizisten ihn geschlagen und getreten! In welchem Land leben wir eigentlich? In Rußland oder China? Der junge Mann brauchte sicher ärtztliche Behandlung aber er wurde nur in ein Polizeiauto geschubst.

Ich habe versucht mich ganz klein zu machen und hatte wirklich Angst vor der Polizei und davor, daß die Linken sich jetzt wehren und Steine werfen. Was nicht gut ist aber was ich aber in diesem Augenblick verstanden hätte. Die hätten sich ja nur gewehrt. Das haben die aber nicht getan. Ganz viele hatten sogar die Hände erhoben und sich ergeben.

Ein junger Mann in schwarzer Jacke und heller Hose hat von der Bühne versucht alles zu beruhigen und wollte mit der Polizei reden. Ich habe dann erfahren, daß es sich um den Leiter der Kundgebung handelte. Ich habe dann von einem in der Nähe stehenden Polizeibeamten gehört, wie der sagte: „Der hetzt, dem hauen wir auch gleich auf die Fresse". Ein anderer Polizist fragte „Wer ist das?" und dann wieder der erste Polizist „Ein Kommunistenschwein".

Ich habe gehört, wie der Mann auf der Bühne sagte, daß die Polizei sich weigert mit ihm zu reden und daß er jetzt zur Polizei runterkommt. Er ist dann auch alleine auf eine Gruppe von Polizisten (die in ganz schwarz) zugegangen. Das fand ich sehr mutig und hatte Angst, daß die Polizei ihn wirklich gleich zusammenschlägt!

Weil ich Angst um den jungen Mann hatte, habe ich meinen Fotoapparat genommen und wollte wenigstens Fotos machen als Beweis vor Gericht. Da schrie mich ein Polizist an „Hier wird nicht fotografiert Opa". Ich hatte so eine Angst, daß ich dann wirklich den Apparat in die Tasche gesteckt habe. Das tut mir jetzt sehr leid. Ich konnte sehen daß die Polizei aggressiv mit dem jungen Mann gesprochen hat aber Gott sei dank haben sie ihn nicht geschlagen. Jedenfalls nicht solange ich zugesehen habe.

Bestellen Sie diesem Mann (Sie kennen ihn doch sicher) meinen Dank und dass es mir sehr leid tut, wie seine Demonstration verlaufen ist. Und hoffe sehr, daß er nicht auch noch verletzt wurde. Aber daran haben nur die schwarzen Polizisten schuld.

Ich bin dann vor lauter Angst vor der Polizei nach Hause gegangen. Sie werden jetzt vielleicht sagen, daß ich ein Feigling bin aber ich bin nicht mehr der jüngste und gehe bald in Pension und die Polizei war ja zu allen Menschen brutal. Vorher dachte ich immer, daß die Polizei nur Chaoten schlägt, die wirklich was ausgefressen haben. Aber die wirklichen Chaoten waren die Polizisten. Und wenn sich dann junge Leute wehren kommen sie ins Gefängnis. Da wird mir wirklich Angst und bange um unser Land.

Ich frage mich warum die Polizei, die beim Wasserwerfer auf der Brücke war nicht eingegriffen hat. Sicher hackt eine Krähe der andren kein Auge aus, wie man so schön sagt. Aber es muss doch gesetzestreue Beamte geben, die in so einem Fall den Mut haben andere Polizisten davon abzuhalten Menschen zu verletzen.

Ich hoffe Sie zeigen die Polizei an und die Täter werden bestraft! Solche Leute dürfen doch nicht länger bei der Polizei sein.

Auch wenn Sie mich jetzt für einen „Bangbüx" halten. Ich werde nicht mehr zu Demonstrationen kommen und teilnehmen. Ich wünsche Ihnen aber alles gute und wünsche Ihnen, daß es im nächsten Jahr keine rechte Demonstration mehr gibt und besonders, daß Sie nicht von der Polizei verprügelt werden.

Hochachtungsvoll

XXX"

Anmerkung des Webmasters:

Lieber Teilnehmer an unserer Kundgebung,

niemand aus unserem Bündnis wird sie für einen "Bangbüx" halten. Das Vorgehen der Berliner Polizeieinheiten war abschreckend und vielleicht war dies auch genau der Zweck des Einsatzes. Wir bedanken uns jedenfalls für Ihren Bericht und Ihre Teilnahme am 29.3. und wünschen Ihnen alles Gute.

Und weiterhin: Der "junge Mann", der die Fuktion des Versammlungsleiters übernommen hat, blieb unverletzt...